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Dr. Dr. Peter R. Lipsett

Wege zur Transzendenzerfahrung

Zentrale Inhalte der Taschenbuchausgabe (Münsterschwarzach 1992)
in aktualisierter Fassung 2010 zusammengefasst von Dr. J. Flender

Übersicht: Textstruktur und Textmodule
 

Zielsetzung
"Transzendenzerfahrung" 
Untersuchungsgegenstand  
Zentrale Hypothese
Christliche Mystik Zen Taoismus Yoga
Bewusstseins-öffnung;  
- Erläuterung  
- bildhafter Vergleich  
- Schwierigkeiten 
Reines Gebet (Kontemplation)  Reine Aufmerksamkeit (shikantaza) Das tao ergreifen  Beruhigung der seelisch-geistigen Vorgänge (citta-vrtti-nirodha)
Bewusstseins-einung  
- Erläuterung  
- Beispiele  
- Übergang zur B.-öffnung 
Ikonenmeditation 

Glutgebet 

Leitformel-Gebet 

'Dem Atem folgen'  

Koanschulung 

Atemunterbrechung 

Tan T'ien-Meditation 

Den Geist ins Innere kehren 

Atemmeditation, weitere Übungen  

Mandala-Meditation  

Mantra-Meditation 

Bewusstseins-kontinuierung  
- Erläuterung
- Beispiele  
- Übergang zur B.-einung
Gemeinsames Psalmensingen 

Ikonenmalerei 

Formen von Gebet und Betrachtung 

'Den Atem zählen'  

Geh-Übung 'kinhin'  

Rezitation von Sutren  

Zen-Künste 

Innere Alchimie 

Tao-Yoga 

T'ai Chi 

Körperübungen (asana)  

Atemregelung (pranayama)  

Gesten (mudra)  

Tätiges Handeln (satyagraha) 

Bewusstseins-disponierung  
- Erläuterung  
- Beispiele  
- Übergang zur B.-kontinuierung
Rückzug und regelhaftes Leben 

Tugenden üben, Laster meiden 

Studium, Belehrung, Discretio 

Hauptgebote  

Gelübde  

Studium, Unterweisung 

Abgeschiedenheit  

Tugend (te)  

Nicht-Handeln (wu-wei)

Äußere Disziplin (yama)  

Innere Disziplin (niyama)

 

Zielsetzung

Die vorliegende Arbeit fragt nach Voraussetzungen von Transzendenzerfahrung: Was sind die Bedingungen dafür, dass Transzendenzerfahrung möglich wird? In einem kultur- und religionsübergreifenden Vergleich wird die zentrale Hypothese geprüft, dass Transzendenzerfahrung in sämtlichen spirituellen Schulungswegen einen bestimmten Bewusstseinsprozess voraussetzt, der zunächst durchlaufen werden muss, bevor überhaupt Transzendenzerfahrung möglich wird (Konvergenzhypothese).

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"Transzendenzerfahrung"

Als Transzendenzerfahrung lässt sich eine Erfahrung bezeichnen, die nicht aus dem Wahrnehmungsbereich der fünf Sinne stammt und auch kein Produkt menschlicher Phantasie- oder Verstandestätigkeit ist. Dabei kann unterschieden werden zwischen Erfahrungen relativer und absoluter Transzendenz.
Relative Transzendenz wird unter anderem in Phänomenen außersinnlicher Wahrnehmung erfahren, also beispielsweise in Telepathie oder Präkognition, die beide weder der Sphäre des menschlichen Alltagsbewußtseins noch der absoluten Transzendenz entspringen.
Absolute Transzendenz weist auf die gleiche Realität hin wie die Begriffe Gottheit, das Ganz Andere oder das Eine ohne ein Zweites.

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Untersuchungsgegenstand

Transzendenzerfahrungen sind in einer solch großen historischen und kulturellen Variabilität interpretiert worden, dass theoretische Sätze über das "Wesen" solcher Erfahrungen kaum möglich sind. Sinnvoller erscheint es stattdessen, diejenigen Bedingungen näher zu bestimmen, die erfüllt sein müssen, damit Transzendenzerfahrungen möglich werden. Entsprechend diesem (neueren) Ansatz konzentriert sich die vorliegende Arbeit auf handlungsanleitende Sätze, d.h. auf praktische, prinzipiell überprüfbare Schritte, die zur Transzendenz-erfahrung hinführen (ohne diese zweckhaft verfügbar zu machen).
Hinweis: Anmerkungen zu physiologischen, emotionalen und kognitiven Wirkungen der praktischen Schritte finden sich in der Originalarbeit (s. Literaturtip), die in diesem Zusammenhang auch auf weitere Glieder des Yoga-Pfades sowie auf die "unio mystica" und deren Äquivalente in östlichen Wegen eingeht.

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Zentrale Hypothese (Konvergenzhypothese)

Die zentrale Hypothese (Konvergenzhypothese) lautet: Kultur- und religionsübergreifend konvergieren sämtliche Wege spiritueller Schulung (hier: Yoga, Zen, Taoismus und christliche Mystik) dahingehend, dass ein ganz spezifischer Bewusstseinsprozess ablaufen muss, damit Transzendenzerfahrungen möglich werden. Dieser Bewusstseinsprozess hat im Laufe der Geschichte eine Vielfalt von begrifflichen Kennzeichnungen erfahren; wie etwa Bewusstseinsleere, reines Bewusstsein, Kontemplation, inneres Schweigen oder auch geistliche Armut. In dieser Arbeit wird - zur Betonung des Prozesscharakters - die Bezeichnung Bewusstseins-öffnung gewählt. Nach dieser Auffassung lässt sich Transzendenzerfahrung prozedural als diejenige Erfahrung definieren, die sich in der Folge einer vollständigen Öffnung des Bewusstseins einstellt.

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Bewusstseins-öffnung

Auf der Stufe der Bewusstseins-öffnung richtet sich die Aufmerksamkeit auf
keinen spezifischen Bewusstseinsinhalt.

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Bewusstseins-öffnung: Erläuterung

Bewusstseins-öffnung soll per definitionem dann vorliegen, wenn der Übende seine Aufmerksamkeit auf kein bestimmtes Objekt richtet. Dies ist dann der Fall, wenn der Übende seine Aufmerksamkeit hellwach hält, sie jedoch weder auf einen Gegenstand oder Vorgang der Aussenwelt (einschliesslich eigener Aktivitäten) richtet, noch auf einen inneren psycho-mentalen Gegenstand oder Vorgang (wie beispielsweise Fühlen, Wünschen, Wollen, Wahrnehmen, Vorstellen, Erinnern oder Denken). Das geöffnete Bewusstsein ist auf keinen spezifischen Bewusstseinsinhalt gelenkt, also auf "Nichts" im Sinne von "Nicht-Etwas", "nicht auf etwas". Diese Fähigkeit, die Aufmerksamkeit von allen Objekten losgelöst zu halten, besitzt nur derjenige, der in hohem Maße den Prozess bewusster Zuwendung steuern kann.

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Bewusstseins-öffnung: bildhafter Vergleich und Beispiel

In einem bildhaften Vergleich lässt sich die Aufmerksamkeitssteuerung mit dem Autofahren vergleichen: Nur der beherrscht das Autofahren, der das Fahrzeug nicht nur in Gang setzen (anfahren) und seinen Verlauf bestimmen (lenken) kann, sondern es auch anhalten (stoppen) kann. In gleicher Weise beherrscht nur der seine Aufmerksamkeit (und damit auch sein Denken) ganz, der es auch lassen kann, also auch nicht-denken kann.

Beispiel Galeriebesuch: Ein Galeriebesuch kann zu einer Übung der Bewusstseins-öffnung werden, wenn der Übende über die Stufe der Bewusstseins-sammlung hinausgeht und damit seine Aufmerksamkeit auch vom letzten spezifischen Wahrnehmungsobjekt löst, z.B. von einem intensiv wahrgenommenen Farbton oder von dem ganzheitlichen Eindruck eines Gemäldes oder Raumes.

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Bewusstseins-öffnung: Schwierigkeiten

Dem Ungeübten kann es zunächst als nahezu unmöglich erscheinen, nicht zu denken. Und doch postulieren spirituelle Schulungswege genau dies als Voraussetzung für Transzendenzerfahrungen: Das einmal in Gang gesetzte und selbsttätig weiterlaufende Fahrzeug unseres Verstandes muss angehalten werden können. Eine solche Bewusstseins-öffnung gelingt tatsächlich nur wenigen Erfahrungssuchenden auf Anhieb. Die meisten müssen die Vorstufe der Bewusstseins-sammlung durchlaufen.

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Bewusstseins-sammlung

Auf der Stufe der Bewusstseins-sammlung richtet sich die Aufmerksamkeit auf
einen ausschließlichen Bewusstseinsinhalt.

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Bewusstseins-sammlung: Erläuterung

Auf der Stufe der Bewusstseins-sammlung übt derjenige, dem die (übergeordnete) Bewusstseins-öffnung (also die Loslösung der Aufmerksamkeit von spezifischen Inhalten) noch nicht gelingt. Dabei richtet der Übende seine Aufmerksamkeit auf einen ausschließlichen Bewusstseinsinhalt. Auf diese Weise schließt er zwar nicht alle spezifischen Bewusstseinsinhalte aus dem Feld seiner Aufmerksamkeit aus, aber zumindest doch alle Inhalte bis auf einen.

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Bewusstseins-sammlung: Beispiel

Beispiel Galeriebesuch: Die Betrachtung eines Gemäldes kann zu einer Übung der Bewusstseins-sammlung werden, wenn der Betrachter ein einziges Merkmal des betreffenden Gemäldes (beispielsweise einen Farbton) fixiert und dabei seine Aufmerksamkeit so ausschließlich auf dieses Merkmal richtet, dass dieses Merkmal zum ausschließlichen Bewusstseinsinhalt wird.

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Bewusstseins-sammlung: Übergang zur Bewusstseins-öffnung

Der Übergang zur übergeordneten Stufe der Bewusstseins-öffnung kann dadurch erfolgen, dass der Übende seine Aufmerksamkeit auch noch vom letzten Wahrnehmungsobjekt löst. Dieser Übergang kann auch unwillkürlich geschehen, was aber zumeist erst nach längerer Übungsdauer gelingt.

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Bewusstseins-kontinuierung

Auf der Stufe der Bewusstseins-kontinuierung richtet sich die Aufmerksamkeit auf kontinuierlich wandelnde Bewusstseinsinhalte.

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Bewusstseins-kontinuierung: Erläuterung

Auf der Stufe der Bewusstseins-kontinuierung übt derjenige, dem die (übergeordnete) Bewusstseins-sammlung (also die Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf einen ausschließlichen Inhalt) noch nicht gelingt. Dabei richtet der Übende seine Aufmerksamkeit auf eine kontinuierliche Abfolge ausgewählter Bewusstseinsinhalte. Im Unterschied zur (übergeordneten) Stufe der Bewusstseins-sammlung wandelt sich dabei das Objekt der Aufmerksamkeit kontinuierlich, d.h. es entsteht ein Kontinuum von bewusst und ununterbrochen vollzogenen Übergängen von einem Bewusstseinsinhalt zum anderen. - Bewusstseins-kontinuierung ist nicht auf kognitive Prozesse ("Konzentrationsübungen") beschränkt; sie kann ebenso auf emotionale Prozesse gerichtet sein oder auch in einem vollbewusst vollzogenen Tun (z.B. Bewegung, Singen, Gestalten) zum Ausdruck kommen.

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Bewusstseins-kontinuierung: Beispiel

Beispiel Galeriebesuch: Die Betrachtung eines Gemäldes kann zu einer Übung der Bewusstseins-kontinuierung werden, wenn der Betrachter ohne Unterbrechung (kontinuierlich) unterschiedliche Merkmale des betreffenden Gemäldes in einer bewussten Abfolge betrachtet, wenn er sich also beispielsweise zunächst den Farben zuwendet, danach den Formen usw.
In der Tendai-Schule des chinesischen Buddhismus wird eine Übung praktiziert, bei der der Übende seine Aufmerksamkeit in kontinuierlichem Wechsel auf seine Nasenspitze einerseits und - nach einem bewusst vollzogenen Übergang - auf die Polarität und Unwirklichkeit aller Dinge andererseits richtet.

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Bewusstseins-kontinuierung: Übergang zur Bewusstseins-sammlung

Der Übergang zur übergeordneten Stufe der Bewusstseins-sammlung kann dadurch erfolgen, dass der Übende nach und nach die Anzahl wandelnder Bewusstseinsinhalte reduziert, bis sich seine Aufmerksamkeit schließlich nur noch auf einen Inhalt richtet (Bewusstseins-sammlung). Dieser Übergang kann auch unwillkürlich erfolgen, was jedoch zumeist erst nach längerer Übungsdauer gelingt.
Ein historisches Beispiel für den Übergang von der Bewusstseins-sammlung zur Bewusstseins-einung schildert Theresa von Avila, die beim betrachtenden Beten des Vaterunsers immer länger bei einzelnen Worten verweilte (Bewusstseins-kontinuierung) und schließlich bei einem einzelnen Wort haften blieb (Bewusstseins-sammlung).

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Bewusstseins-disponierung

Auf der Stufe der Bewusstseins-disponierung richtet sich die Aufmerksamkeit auf diskontinuierlich wechselnde Bewusstseinsinhalte.

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Bewusstseins-disponierung: Erläuterung

Auf der Stufe der Bewusstseins-disponierung übt derjenige, dem die (übergeordnete) Bewusstseins-kontinuierung (also die ununterbrochene Ausrichtung der Aufmerksamkeit auf kontinuierlich wandelnde Inhalte) noch nicht gelingt. Unter diesen Umständen richtet der Übende seine Aufmerksamkeit in stetig neuen Anläufen auf diskontinuierlich wechselnde Objekte; bei diesen Übungselementen handelt es sich häufig um Maßnahmen zum Abbau übungshinderlicher Blocka-den (in Form von starren Denk-, Verhaltens- und Erlebensmustern). Maßnahmen sind (a) Seelsorge / Psychotherapie, (b) spirituelle Führung durch einen persönlichen Lehrer (Meister, Guru, Spiritual), (c) Befolgung eines normativen Handlungskodexes (Laster meiden, Tugenden üben), (4) absichtsvolles Durchbrechen alter / Einüben neuer Handlungsgewohnheiten sowie (5) Aneignung von Wissen.

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Bewusstseins-disponierung: Beispiele

Beispiel Galeriebesuch: Die Betrachtung eines Gemäldes kann zu einer Übung der Bewusstseins-disponierung werden, wenn der Betrachter seine Aufmerksam-keit mit Unterbrechungen (diskontinuierlich) auf unterschiedliche Merkmale des betreffenden Gemäldes bzw. auf weitere Maßnahmen richtet, die ihm die kontinu-ierliche Betrachtung des Gemäldes erleichtern. Vorstellbar ist beispielsweise ein alltagsgestresster Galeriebesucher, der den persönlichen Zugang zu einem komplexen Gemälde sucht. Dieser Betrachter könnte sich kurz den Farben des Gemäldes zuwenden, danach den Ausstellungskatalog studieren, anschließend zur Entspannung in die Cafeteria gehen, eine Kunstkennerin konsultieren und schließlich erneut zum Gemälde zurückkehren, um die Formen zu betrachten.

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Bewusstseins-disponierung: Übergang zur Bewusstseins-kontinuierung

Der Übergang zur übergeordneten Stufe der Bewusstseins-kontinuierung kann dadurch erfolgen, dass der Übende die Anzahl der Unterbrechungen zwischen Übungselementen reduziert und auf diese Weise nach und nach den Zeitraum verlängert, in dem er sich kontinuierlich einer Abfolge von Wahrnehmungsobjekten zuwenden kann.

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Christliche Mystik

In Ägypten bildete sich in den frühen nachchristlichen Jahrhunderten die spirituelle Tradition der Mönchsväter. Als Begründer und leuchtendes Vorbild dieser Tradition gilt der Heilige Antonius (gestorben 356). Die Mönchsväter lebten asketisch in entlegenen Wüstengebieten ("Wüstenväter") und vermittelten dort vielen Generationen ihr Wissen über den Weg zur Vollkommenheit; zentral für diesen Weg ist das kontemplative Verweilen in der Ruhe. Für diesen spirituellen Weg gaben die Wüstenväter zahlreiche konkrete Handlungsanweisungen, die über den Mönch Johannes Cassian (etwa 360 - 430) und den Ordensgründer Benedikt von Nursia (480 - ca. 555) nach Westeuropa gelangten und dort dauerhaft zur üblichen Praxis der Mönche wurden. Auch die deutschen Mystikern späterer Jahrhunderte (z.B. Meister Eckehart, H. Seuse und J. Tauler) setzten die Regeln der Wüstenväter als bekannt voraus und schätzten sie als vorbereitende Methoden auf dem spirituellen Weg.

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Rückzug und regelhaftes Leben

Eine Rahmenbedingung für die Sammlung des Bewusstseins besteht darin, das Bewusstsein an Regelhaftigkeiten zu gewöhnen. Dies erfordert nach Ansicht der Mönchsväter den Rückzug aus der Betriebsamkeit der Welt in die Einsamkeit einer Einsiedelei (als Eremit) oder einer klösterlichen Gemeinschaft. Unter diesen Bedingungen ist es möglich, bestimmte Zeiten für das Gebet und für fast alle wesentlichen Lebensvollzüge festzulegen und so eine Rhythmisierung des Tagesablaufs zu erreichen. Durch Nachtwachen kann der Grundrhythmus von Wachen und Schlafen neu organisiert und dadurch bewusst erlebt werden. Gleichförmige Arbeit, wie beispielsweise das von den Wüstenvätern geschätzte Seil- und Körbeflechten, kann eine meditative Lebenshaltung weiter vertiefen.

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Tugenden üben, Laster meiden

Das Ausüben von Tugenden und das Vermeiden von Lastern geschieht mit dem Ziel, das Bewusstsein zu sammeln. Dabei sollen die psychischen Eigendynamiken (Zwänge) überwunden werden, die mit den Lastern verbunden sind und die eine Sammlung des Bewusstseins behindern.
Die acht Hauptlaster sind nach Johannes Cassian: 1. Völlerei, 2. Unzucht, 3. Habgier, 4. Zorn, 5. Trübsinn, 6. Trägheit, 7. Ruhmsucht sowie 8. Hochmut. Diesen Lastern entsprechen die folgenden acht Tugenden: 1. Maßvolles Essen und Fasten, 2. Keuschheit, 3. Armut, 4. Sanftmut (Besonnenheit), 5. Heiterkeit, 6. Muthaftigkeit / Enthusiasmus, 7. Gehorsam / Bescheidenheit sowie 8. Demut, Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit und Klugheit.

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Studium, Belehrung, Discretio

Unwissen, Irrtümer, Desinteresse und Vorurteile bezüglich des spirituellen Wegs müssen für die Sammlung des Bewusstseins überwunden werden. Zu den entsprechenden Maßnahmen gehört das Studium, also die geistige Aneignung der Heiligen Schrift und weiterer Schriften, beispielsweise von Schriften über das Leben von Heiligen.
Die gleiche Funktion wie das Studium erfüllt die Belehrung durch ein gelebtes Vorbild oder durch die mündlich weitergegebene Tradition.
Als ein weiteres Mittel nutzten die Mönchsväter die Gabe der Discretio, die sich auf die geschulte Unterscheidung von Gut und Böse bezieht. Die Discretio beinhaltet eine weise Maßhaltung, die den Übenden einerseits vor übertriebenem Eifer (etwa bei der Enthaltsamkeit) bewahrt, ihn aber andererseits auch vor Nachlässigkeit und Erschlaffung schützt.

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Gemeinsames Psalmensingen

Beim gemeinsamen Psalmensingen handelt es sich um ein Mittel der Bewusstseinsschulung, das bereits von den Mönchsvätern empfohlen wird. Wie ein alter Meister ausführt, kommt es beim gemeinsamen Psalmensingen darauf an, "die Seele ... mitschwingen (zu) lassen ... im betonten Rhythmus der Melodie." Dies bedeutet, dass die Aufmerksamkeit zwar (schon) beim Singen bleibt, jedoch (noch) den Veränderungen (des Texts und der Melodie) folgt.

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Ikonenmalerei

Die Ikonenmalerei stellt einen Weg der Bewusstseins-Ausrichtung dar. Sie entwickelte sich in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten und wird bis heute auf dem heiligen Berg Athos gepflegt. Die Ikonenmalerei gilt als kultische Handlung und folgt strengen Regeln der Ausführung, auf die sich der Malermönch durch Beten, Fasten und priesterlicher Segnung vorbereitet. Der Malvorgang selbst wird dann in einem Akt höchster Bewusstheit vollzogen.

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Formen von Gebet und Betrachtung

In verschiedenen Formen von Gebet und Betrachtung wird die Aufmerksamkeit auf eigene Gefühle, Wünsche oder Gedanken gerichtet.
Gefühle stehen im Mittelpunkt von Lob- und Dankgebeten, sowie darüber hinaus in der sogenannten "empathischen Betrachtung", bei der der Übende sich beispielsweise in Stationen des Kreuzweges versenkt, um so zu entsprechenden Gefühlen (z.B. des Mit-Leidens) zu gelangen.
Intensive Wünsche bilden den Kern von Bittgebeten.
Gedanken sind zentral für solche Gebete, in denen der Betende die persönliche Zwiesprache mit Gott sucht oder - wie in der sogenannten "geistlichen Betrachtung" - seine Gedanken auf Stellen der heiligen Schrift (oder auf das Leben von Heiligen oder auf Eigenschaften Gottes) richtet.

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Ikonenmeditation

Besonders im Bereich der Ostkirche ist die meditative Betrachtung von Ikonen eine verbreitete Praxis. Auf Ikonen ist häufig das Abbild Christi dargestellt. Die Versenkung in dieses sinnlich wahrnehmbare Abbild Christi lenkt das Bewusstsein des Betenden ausschließlich auf das Bild. Die auf Ikonen häufig überproportional dargestellten Augen tragen durch ihre hypnotisierende Wirkung zu einer Fixierung der Aufmerksamkeit bei.

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Glutgebet

In der Tradition der Mönchsväter kann die Liebe zu Gott eine Intensität erreichen, die mit ekstatischen Erlebnissen verbunden ist. Im sogenannten "Glutgebet" werden alle sonstigen Affekte gebündelt, so dass nur noch das eine Gefühl der Liebe den Betenden erfüllt: Aus dem innersten Wesen sprudelt das Glutgebet "ekstatisch wie aus einem übervollen Born von Empfindungen, alle Affekte zusammenfassend, ohne Worte zu Gott empor" (Cassian).

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Leitformel-Gebet

Das Leitformel-Gebet stellt eine Methode der Mönchsväter dar, bei der die Aufmerksamkeit auf ein einziges Wort (Leitwort) oder einen einzigen kurzen Vers (Leitvers) gelenkt wird. Gebräuchliche Leitworte waren vor allem "Jesus Christus", "Herr Jesus" oder "Jesus Christus, Sohn Gottes". Als Leitvers diente häufig die Anrufung: "Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner". Das Leitformel-Gebet beruht - genau wie die Mantrapraxis des Ostens - auf dem Prinzip, die Leitformel ständig zu wiederholen (wiederzukäuen) und auf diese Weise Ablenkungen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Zu diesen Ablenkungen gehören auch etwaige Gedankengänge zum Sinn der Leitformel.

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Reines Gebet (Kontemplation)

Beim reinen Gebet handelt es sich - negativ (ausgrenzend) formuliert - um einen Zustand, bei dem die Aufmerksamkeit weder auf Emotionen, noch auf Gedanken, Erinnerungen oder Vorstellungen gerichtet ist, das Bewusstsein also losgelöst ist von jeglichen Emotionen, Gedanken, Erinnerungen und Vorstellungen.
Das reine Gebet läßt sich - positiv formuliert - als ein Zustand der Überwachheit oder der reinen Achtsamkeit beschreiben. Dazu schreibt ein alter Meister erläuternd: "Achtsamkeit ist die Ruhe des Geistes, das Stillwerden oder das Schweigen, das durch Gottes Barmherzigkeit geschenkt wird." Gemeint ist ein "vollkommenes Schweigen", das gerade nicht in einem Zustand tiefster Entspannung besteht, sondern darin, "in einer äußerst gespannten Nüchternheit des Geistes (zu) wachen, um den Augenblick zu spüren, in dem sich Gott uns nähert."

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Zen

Der Weg des Zen geht auf den Sakyama Buddha zurück, der im 6. Jh. v. Chr. die Lehren des Buddhismus begründete. Aus der Tradition des Yoga kommend entwickelte der Sakyama Buddha verschiedene Wege zur Leidbefreiung; darauf aufbauend entstanden die zahlreichen Schulen des Buddhismus. Der Zen-Weg gehört zur Schule des Mahayana-Buddhismus, der vor allem in Nordindien, China und Japan verbreitet ist. Im Unterschied zu anderen buddhistischen Wegen hat der Zen-Weg den methodischen Aspekt betont und ein Lehrsystem konkreter Schritte zur Transzendenzerfahrung entwickelt. Dabei fußt Zen auf der Grundanschauung, dass der wahre Geist des Buddhismus nicht aus den buddhistischen Schriften erfasst werden kann, sondern nur unmittelbar durch geistige Übertragung seitens des Lehrers und durch das Erleuchtungserlebnis satori. - Zen wird im Lotossitz praktiziert und daher auch als Zazen ("Sitz-Zen") bezeichnet.

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Hauptgebote

Sowohl Mönchen als auch Laien schreibt der Buddhismus die folgenden fünf Hauptgebote bindend vor:
1. nicht töten, 2. nicht stehlen, 3. nicht Unkeusches tun, 4. nicht lügen, 5. nicht betäubende Mittel trinken oder andere dazu verleiten. 

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Gelübde

Der Zenmönch muss zusätzlich zu den fünf Hauptgeboten die folgenden vier Gelübde ablegen:
1. Wie wahllos die Lebewesen sind: ich gelobe, alle zu retten; 2. Wie unerschöpflich die Leidenschaften sind: ich gelobe, alle auszulöschen; 3. Wie unermesslich die Dharma (Lehren) sind: ich gelobe, sie alle zu meistern; 4. Wie unvergleichlich die Buddha-Wahrheit ist: ich gelobe, sie zu erlangen.

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Studium, persönliche Unterweisung

Das Studium buddhistischer Schriften gehört sowohl für Laien als auch für Mönche zur Ausrichtung auf den Zen-Weg. Hochgeschätzt wird dabei insbesondere das Studium der sogenannten Ochsenbilder, die mit Bildern und dichterischen Versen den Weg zur Erleuchtung beschreiben. Von zentraler Bedeutung ist dabei der Zenmeister, der seinen Schülern zum einen den Zen-Weg mit vortragsähnlichen Darlegungen erläutert (teisho), und der zum anderen jeden einzelnen Schüler im persönlichen Gespräch unterweist (dokusan).

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'Den Atem zählen'

Die grundlegende Atemübung des Zen lautet 'den Atem zählen'. Dabei sitzt der Schüler regunglos im Lotossitz und zählt die ein- und ausgehenden Atemzüge, beispielsweise bis zur Zahl 10. Später verlangsamt er den Fluss der Zählobjekte, indem er nur noch das Ausatmen (oder nur das Einatmen) zählt.
Ziel des Atemzählens ist es, die Körperfunktionen zu beruhigen und die Konzentration zu stärken. Dabei bietet der natürliche Atemrhythmus dem Geist sozusagen eine Stütze.

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Geh-Übung 'kinhin'

Bei der Geh-übung 'kinhin' werden die Hände in genau festgelegter Weise vor der Brust zusammengeführt, die Augen ausgerichtet und der Raum unter gleichmäßigem Abrollen der Fußsohlen durchschritten. 'Kinhin' unterbricht (bzw. verbindet) aufeinanderfolgende Phasen des Zen-Sitzens.

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Rezitation von Sutren

Die andachtsvolle Rezitation von buddhistischen Sutren (Lehrsätzen) erfolgt in regelhafter Weise, beispielsweise dadurch, dass der Rezitierende sich während des Rezitierens regelhaft niederwirft, wiederholt Umgänge im Tempel macht oder aber dem rhythmischen Klopfen von Holz- oder Bronzetrommeln folgt.

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Zen-Künste

Zu den Zen-Künsten gehören neben Blumenstecken (Ikebana), Bogenschießen und Kalligraphie auch die Teezeremonie. Gemeinsam ist diesen Künsten das Prinzip, dass der jeweilige Vorgang mit einem äußersten Maß von selbstloser Gelassenheit und gleichzeitiger Konzentration vollzogen werden muss.

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'Dem Atem folgen'

In der Übung 'dem Atem folgen' geht es im Unterschied zur Übung 'den Atem zählen' nicht darum, die Aufmerksamkeit auf verschiedene Atemphasen oder Atemzüge zu richten; vielmehr wird der Gesamtprozess des Atmens zum zentralen Bewusstseinsinhalt.

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Koanschulung

Bei der Koanschulung setzt sich der Übende mit einem Koan auseinander. Dabei handelt es sich um eine paradoxe Formulierung, die auf eine letzte Wahrheit hinweist. Ein bekanntes Koan lautet beispielsweise: "Welches war dein ursprüngliches Gesicht vor deiner Geburt?" Da sich ein Koan nicht mit Hilfe des logischen Denkens lösen läßt, wird der Übende zu intuitiver Einsicht und damit zu einer Problemlösung höherer Ordnung gezwungen.
Ziel der Koanschulung ist es, die volle Aufmerksamkeit auf das Koan hin zu bündeln. Dies gelingt dem Schüler nur dann, wenn er es aufgibt, sich mit begrifflichen Inhalten des Koans intellektuell auseinanderzusetzen und er sich stattdessen unbedingt existentiell auf das Koan ausrichtet.

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Reine Aufmerksamkeit (shikantaza)

In der Übung der reinen Aufmerksamkeit (shikantaza) wird die Aufmerksamkeit vom Sitzen allein intensiv beansprucht. Da es hierbei keine stützenden Hilfsmittel mehr gibt (wie beispielsweise das Zählen der Atemzüge oder ein Koan), kann die Aufmerksamkeit nur allzu leicht abgelenkt werden. Dies erfordert eine Geistesverfassung, in der der Übende massiv in sich gesammelt ist. So ist shikantaza ein Zustand erhöhter, konzentrierter Geistes-Gegenwart, in der der Übende zwar die Außenreize seiner Umgebung wahrnimmt, ihnen aber zugleich keinerlei Aufmerksamkeit zuwendet. - Ziel ist es, die Aufmerksamkeit an keinen spezifischen Bewusstseinsinhalt zu haften. Störende Gedanken werden nicht abgewiesen, sondern sie kommen und gehen von selbst wieder. Es geht also nicht darum, das Bewusstsein außer Tätigkeit zu setzen, sondern es inmitten aller Tätigkeit zur Ruhe zu bringen und zu einen.

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Taoismus

Die Lehren des Taoismus werden zurückgeführt auf den Gelben Kaiser Huang Ti, der im dritten Jahrtausend v. Chr. lebte. Als bedeutendste Schrift des Taoismus gilt das Tao Te King des Laotse aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Zu den weiteren grundlegenden Schriften des Taoismus gehört das 'I Ging'. Dieses Weisheits- und Orakelbuch, das etwa am Anfang des ersten Jahrtausends v. Chr. entstand, formt die Idee aus, dass das höchste Prinzip des Universums - das tao - im Wechselspiel der beiden komplementären Kräfte Yin und Yang zur Wirksamkeit gelangt. Yin und Yang stehen hierbei für sämtliche komplementären Strukturen oder Funktionen, wie etwa Erde und Himmel, weiblich und männlich, dunkel und hell. Neben dem ursprünglichen rein mystischen Weg des Tao haben sich bereits seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. zahlreiche populäre Formen entwickelt, sodass sich der Taoismus heute in vielfältigen Erscheinungsformen darstellt.

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Abgeschiedenheit

Für den Schüler des mystischen Taoismus geht es zunächst darum, sich nicht von äußerer Betriebsamkeit vereinnahmen zu lassen. Hilfreich dafür kann eine äußere Abgeschiedenheit oder auch eine gewisse äußere Disziplin sein. Beides begünstigt die innerliche Abgeschiedenheit von der Hektik der Welt.

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Tugend (te)

Festgelegte moralische Regeln sind im Taoismus kaum verbreitet. Stattdessen wird ein spontanes, intuitiv geleitetes Handeln hoch geschätzt, das seine Anstöße aus der Beobachtung der Natur (insbesondere des Wassers) erhält. In einem solchen Handeln kommt die Tugend 'te' zum Ausdruck. 'Te' bezeichnet eine innere Einstellung, die auf höchste Einfachheit, Reinheit und Leere ausgerichtet ist.

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Nicht-Handeln (wu-wei)

Wu-wei bezeichnet das Grundprinzip taoistischen Handelns. Die wörtliche Übersetzung "Nicht-Handeln" erweckt zunächst den Eindruck einer tatenlosen Passivität. Gemeint ist jedoch ein Loslassen, Nicht-Eingreifen oder ein Nicht-wider-die-Natur-Handeln, das ein Höchstmaß an innerer Aufmerksamkeit und Spontaneität erfordert. Insofern beschreibt das wu-wei-Prinzip ein intuitives Handeln, das aus dem Einklang mit dem tao erwächst, ein Wirken ohne Tun, bei dem doch nichts ungetan bleibt.

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Innere Alchimie

Die Methode der inneren Alchimie zielt darauf ab, die inneren Energien des Menschen zu transformieren und zu veredeln. Gegenstand des inneren Verwandlungsprozesses sind dabei drei sogenannte Schätze: 1. ching (Sexualflüssigkeit und Feinstmaterie, Essenz), 2. chi (Atem und Lebenskraft) sowie 3. shen (Geist, spirituelle Energie).
Zunächst wird ching in ch'i verwandelt, später ch'i in shen (Geist, spirituelle Energie), bis schließlich mit der Veredlung von shen in hsü (Leere) Ego und Kosmos vereint werden. Dabei erfolgt die Verwandlung von ching in ch'i durch Zügelung der Sinnenlust, sexuelle Zurückhaltung bis hin zur gänzlichen Enthaltsamkeit. Im übrigen werden weiterführende Visualisierungs- und Stilleübungen eingesetzt.

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Tao-Yoga

Tao-Yoga schult die Lenkung der Lebenskraft ch'i. Nach taoistischer Auffassung muss die Lebenskraft ch'i in einem Kreislauf zum Fließen gebracht werden. Dies geschieht dadurch, dass die vom Steißbein zum Scheitelpunkt aufsteigende feinstoffliche Kundalini-Energie nach und nach in Zirkulation gebracht wird. Zu diesem Zweck konzentriert sich der Übende der Reihe nach auf einzelne Akupunkturpunkte, die auf gleicher Höhe mit den feinstofflichen Energiezentren (Chakren) liegen.

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T'ai Chi

Die taoistische Bewegungskunst des T'ai Chi Ch'uan beinhaltet im Kern eine bis ins Detail festgelegte Bewegungsfolge, die im Zeitlupentempo ausgeführt wird. Die langsam fließenden Bewegungen folgen dem Yin-Yang-Prinzip: Es erfolgt ein ständiger Wechsel bei der Gewichtsverlagerung vom belasteten zum unbelasteten Fuß, beim Heben und Senken von Armen und Beinen oder beim Vorgehen und Zurückweichen. Diese Bewegungen können von Anfängern nur dann ausgeführt werden, wenn sie ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Aufeinanderfolge der Einzelbewegungen richten. Erst auf einer späteren Stufe gelingt es, die Aufmerksamkeit von der Folge der Einzelbewegungen zu lösen und kontinuierlich auf das Körperzentrum im Bauch-Becken-Raum zu richten.

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Atemunterbrechung (Atemmeditation)

Bei der Atemunterbrechung (Atemmeditation) besteht die Technik im wesentlichen darin, den Atem über immer längere Zeiträume hinweg anzuhalten. Dabei soll die mit dem Lufthauch verbundene Lebenskraft ch'i in den Körper aufgenommen und transformiert werden. Nach anfänglichen Übungen zur Rhythmisierung des Atems wird die Atemunterbrechung zum ausschließlichen Meditationsgegenstand.

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Tan T'ien-Meditation

Bei der Tan T'ien-Meditation handelt es sich um eine Methode, bei der die volle Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Punkt im Körper gerichtet wird. Diese Punkte repräsentieren zumeist gleichzeitig Bewusstseinszentren (oberes, mittleres oder unteres Tan T'ien, entsprechend den yogischen Chakren), die durch diesen Konzentrationsakt aktiviert werden. Alle sonstigen Gedanken werden dadurch zum Schweigen gebracht. - Der Körper kann auch in seiner Gesamtheit zum alleinigen Meditationsgegenstand werden.

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Den Geist ins Innere kehren

'Den Geist in sich kehren' bzw. 'sich an das Innere halten' ist ein wichtiger Ausdruck im Taoismus. Für die Meditationspraxis bedeutet dies: "Offenbare dein einfaches Selbst. Umfasse deine Urnatur" (Laotse). In der entsprechenden Übung richtet der Übende seine Aufmerksamkeit auf das eigene, ursprüngliche Sein.

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Das tao ergreifen

Wenn der Suchende eine Bewusstseinshaltung vollständiger Leere realisiert, kann er das tao erlangen. Das tao, auch SINN oder DAS EINE genannt, lässt sich nicht begrifflich erfassen: "Das Auge sieht es nicht - ihr nennt es unsichtbar. Das Ohr hört es nicht - ihr nennt es unhörbar. Die Hand fasst es nicht an - ihr nennt es unfassbar." Zugänglich ist das tao nur demjenigen, der die Türen zur Sinneswelt (vorübergehend) schließt. Den dann gegebenen Bewusstseinszustand vergleicht ein alter Tao-Meister mit einem Spiegel: "Der höchste Mensch gebraucht sein Herz wie einen Spiegel. Er geht den Dingen nicht nach und geht ihnen nicht entgegen; er spiegelt sie wider, aber hält sie nicht fest. (...) Er ist nicht der Sklave seines Ruhms; er hegt nicht Pläne; (...); er ist nicht Herr des Erkennens. Er beachtet das Kleinste und ist doch unerschöpflich und weilt jenseits des Ichs. Bis aufs Letzte nimmt er entgegen, was der Himmel spendet, und hat doch, als hätte er nicht."

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Yoga

Die Wurzeln des Yoga-Pfades reichen zurück bis zu den Veden, den heiligen Schriften des Hinduismus. Die Veden entstanden ab etwa 1500 v. Chr.; sie wurden über Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Quellen überliefert und schließlich in den klassischen Yoga-Sutren (Lehrsätzen) des Patanjali zusammenfassend dargestellt. Patanjali - auch als Raji-Yoga bezeichnet - definiert Yoga als jenen inneren Zustand, in dem die seelisch-geistigen Vorgänge zur Ruhe kommen.
Unterformen des Yoga akzentuieren jeweils andere Aspekte des klassischen Raji-Yoga. So betont etwa der Hatha-Yoga mit Körper- und Atemübungen die vitale Ebene, der Bhakti-Yoga mit dem Weg der liebenden Hingabe die emotionale Komponente, während Jnana- und Raja-Yoga auf die bewegende Kraft der Erkenntnis und des Geistes vertrauen.

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Äußere Disziplin (yama)

Die äußere Disziplin (yama), regelt das Verhältnis des Schülers zu seinen Mitmenschen und zur materiellen Umwelt. Yama verlangt die Verwirklichung von Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit, Nicht-Stehlen, sexueller Enthaltsamkeit und Nicht-Besitzergreifen.

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Innere Disziplin (niyama)

Die innere Disziplin (niyama) erfordert vom Übenden Reinheit, innere Ruhe, Askese, eigenes Studium und Hingabe an Gott.
Das Element des Eigenstudiums besteht aus dem Erlernen derjenigen Wissenschaften, die auf die Befreiung von der diesseitigen Existenz zielen. Auf das Eigenstudium legen vor allem die Brahmanen-Priester besonderen Wert; sie bilden die Fähigkeit aus, große Teile der heiligen vedischen Schriften wortgetreu auswendig zu rezitieren.

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Körperübungen (asana)

Körperübungen (asana) werden vor allem im Hatha-Yoga ausführlich beschrieben. Sie dienen als Konzentrationsübung: Die Körperstellungen bilden vorübergehend den Hauptgegenstand der Aufmerksamkeit.

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Atemregelung (pranayama)

Die Atemregelung (pranayama) besteht aus den Vorgängen des Ausatmens, Einatmens und Anhaltens. Durch bewusste Lenkung des Atems wird eine zunehmende Verlängerung von Phasen der Ein- und Ausatmung und insbesondere der dazwischen liegenden Intervalle angestrebt. In der Anfangsphase der Übung richtet sich die Aufmerksamkeit noch abwechselnd auf jede der einzelnen Atemphasen. Jede der einzelnen Phasen wird dabei bewusst vollzogen und in ihrer zunehmenden Dauer erlebt.

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Gesten (mudra)

Im Tantra-Yoga können bestimmte Gesten (mudra) den Meditationsprozess unterstützen. Bei den mudra handelt es sich um symbolische Hand- und Fingerstellungen, die in wechselnder Weise während des Meditierens vollzogen werden. Dabei wird angenommen, dass jede Geste eine archetypische "Botschaft" enthält, die ihre Resonanz in den tiefsten Schichten des menschlichen Bewusstseins findet.

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Tätiges Handeln (satyagraha)

Im Karma-Yoga wird aktive Arbeit gezielt eingesetzt, um zu höheren Bewusstseinsstufen und schliesslich zur Erlösung zu gelangen. Entscheidend ist dabei die Verbindung von Ruhe und Aktivität: "Der wahre, der ideale Mensch entwickelt, umgeben von größter Stille und Einsamkeit, intensivste Aktivität und findet inmitten intensivster Aktivität die Stille und Einsamkeit der Wüste" (Vivekananda). Beispielhaft für ein solches 'tätiges Ergreifen der ewigen Wahrheit' (satyagraha) bleibt Mahatma Ghandis selbstloses und gewaltfreies Handeln.

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Atemmeditation, weitere Übungen

Bei der Atemmeditation wird im Unterschied zur Atemregelung (pranayama) die Aufmerksamkeit nicht auf verschiedene Phasen des Atmens gelenkt, sondern auf den Atem als Gesamtprozess.
In weiteren Übungen mit gleicher Funktion wird die Aufmerksamkeit statt auf den Atem auf einen anderen Gegenstand verengt, beispielsweise auf die Nasenspitze, einen leuchtenden Gegenstand, einen Gedanken, eine unveränderlich beibehaltene Sitzposition oder Körperstellung oder aber ein Bewusstseinszentrum (chakra).

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Mandala-Meditation

Bei der Mandala-Meditation wird ein Mandala (ein auf Stoff oder auf den Boden gezeichnetes Schema geometrischer Linien) zum ausschließlichen Bewusstseinsinhalt. Das Mandala hilft dem Übenden, sich zu konzentrieren und sein eigenes 'Zentrum' zu finden.

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Mantra-Meditation

In der Mantra-Meditation wird ein stetig wiederholtes Leitwort (Mantra) zum ausschließlichen Bewusstseinsinhalt. Ein bevorzugtes Mantra stellt der Name Gottes dar: "OM". Mantren dienen in erster Linie als Konzentrationsstützen.

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Beruhigung der seelisch-geistigen Vorgänge (citta-vrtti-nirodha)

Inbegriff und Ziel des gesamten Yoga-Pfades ist die Beruhigung der seelisch-geistigen Vorgänge (citta-vrtti-nirodha). Dieser Prozess läßt sich insgesamt beschreiben als ein Verlangsamen und schließliches Anhalten des wählenden Bewusstseins. Gemeint ist damit die Tendenz, den eigenen (erinnerten) Vorlieben zu folgen, d.h. angenehme Vorstellungen auszuwählen und unangenehme Vorstellungen abzustoßen. Wird diese wählende Tendenz aufgegeben, erhält das "Rad des Geistes" keine neuen Anstöße mehr und kommt schließlich zum Stillstand. Auf diese Weise kann der Gipfelpunkt der Versenkung - der "keimlose samadhi ohne Stütze" - erreicht werden. Er besteht in einer völligen Abwesenheit von Objekten im Bewusstsein, einer totalen Leere ohne sinnlich erfassbaren Gehalt und ohne intellektuelle Struktur, in der das Bewusstsein gleichzeitig gesättigt ist durch eine direkte und totale Anschauung des Seins.

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